Liebe Belles & Beaus,
Liebe Gewinnspieler_innen

Ich hoffe, ihr seid alle gut in die Weihnachtszeit gestartet! Ihr wisst, die Adventszeit ist Gewinnspielzeit und dieses Jahr habe ich ein ganz Besonderes für euch, was mir persönlich auch sehr am Herzen liegt.

Am 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte und deshalb möchte ich gerne mit euch den Dezember zum "Monat zum Gedenken der Menschenrechte" ernennen. Zusammen mit Amnesty International darf ich in diesem Rahmen auch ein Set ihrer "Kerze der Freiheit" verlosen.
Diese Kerzen zünden wir an, um unsere Solidarität mit den Opfern von Menschenrechtsverletzungen zu bekunden, sowie Amnesty International in ihrem Engagement für die Einhaltung der Menschenrechte unterstützen.

Diese Kerzen, welche jedes Jahr zur Weihnachtszeit über Amnesty International vertrieben werden, sind in neun Sprachen mit dem Wort Freiheit versehen. Eine Erinnerung daran, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind.


Am 10. Dezember 1961 zündete der Amnesty International-Gründer Peter Benenson in London die erste "Kerze der Freiheit" an und nun werden auch schon seit über 10 Jahren die Kerzenverkaufsaktionen durchgeführt. Letztes Jahr brannten schon mehr als 40'000 Kerzen in Schweizer Haushalten, ob wir das dieses Jahr noch toppen können?


Gerne möchte ich auch euch die Möglichkeit geben, ein paar der schönen Paraffinkerzen oder Bienenwachskerzen hier auf BELLEMELLE zu gewinnen und in der Adventszeit bei euch zuhause brennen zu lassen. Vielleicht wäre es ja auch ein schönes Geschenk für Familie oder Freunde?

Zur Auswahl stehen folgende Sets:
- Aubergine-Himbeer-Crème
- Violett-Eisblau-Weiss
- Gelb-Orange-Rot
- Bienenwachskerzen im Zweierset


Wie funktioniert denn nun das Gewinnspiel?
Das Gewinnspiel läuft über die BELLEMELLE Facebookseite:



Im Webshop von Amnesty International findet ihr alle Sets, die ihr gewinnen könnt. Sucht euch das Set aus, welches ihr am liebsten hättet und postet den Link dazu in das Kommentarfeld unter dem Gewinnspielbeitrag. Ihr habt genau eine Woche, bis am 15. Dezember, Zeit. Dann wird der Gewinner_die Gewinnerin ausgelost und bekannt gegeben.


Damit auch ja nichts passiert, teile ich hier noch einen kleinen Ratgeber zur Kerzenpflege von Amnesty International mit euch:

Ratgeber zur Kerzenpflege
- Kerze ist ein lebendiges Licht. Sie muss gepflegt werden und als offenes Feuer ständig unter Beobachtung stehen.
- Besondere Vorsicht ist bei Anwesenheit von Kindern geboten.
- Kerzen nicht zu dicht neben- oder untereinander brennen lassen.
- Streichholzreste, Dochtstücke oder andere Fremdkörper gehören nicht in die brennende Kerze.
- Kerzen vertragen keine Zugluft. Dadurch beginnen sie zu russen, zu tropfen und brennen einseitig ab.
- Wenn die Kerze sichtbar russt, Docht während des Brennens vorsichtig kürzen, nötigenfalls auslöschen.
- Bei einseitigem Abbrennen Docht vorsichtig zur Seite biegen.
- Einen zu hohen Kerzenrand kann man im warmen Zustand abschneiden.
- Kerzen möglichst so lange brennen lassen, bis die ganze Kerzenoberfläche füssig ist.
- Den Docht zum Löschen in die flüssige Wachsmasse tauchen und wieder aufrichten.

Jetzt wünsche ich euch Toi, Toi, Toi für das Gewinnspiel und eine besinnliche Weihnachtszeit!

Liebe Beaus & Belles,
Liebe Kräuterfreunde

Wir übersehen so vieles im Alltag. Oft auch das, was sich unmittelbar vor uns befindet.
Aus Unachtsamkeit oder auch einfach, weil wir es nicht kennen.
Genau so verhält es sich auch mit Kräutern am Wegesrand. Zu Unrecht werden die Wildkräuter auch heute noch als Unkraut betitelt, obwohl die Kräuter auf verschiedenste Weisen nützlich und essbar sind.

Wildkräuter können heilen, stärken und schmecken. Sie können entweder direkt von der Wiese weg als Fingerfood verzehrt werden, oder dann zuhause als Tees, Suppen etc. zubereitet oder zu Naturkosmetik verarbeitet werden.

"Wer die Geschenke der Natur zu entdecken versteht, ist dem Glück auf der Spur." - unknown


SAMMELN
Beim Sammeln von Wildkräutern muss man diverse wichtige Punkte beachten:
- Das Erkennen: sehr viele Pflanzen haben giftige oder ungeniessbare Doppelgänger. Deshalb sollte man nur bekannte Pflanzen sammeln oder das Kräuterbestimmungsbuch mitnehmen. Aber Achtung: Diverse Wildpflanzenbücher zeigen die Pflanzen mit Blüten. Viele Naturkräuter schmecken jedoch nur bis kurz vor der Blüte. Das kann das Erkennen deutlich erschweren. Am besten geht man also mit einem Pflanzenkenner auf die Suche oder man besucht vorher einen Wildkräuterkurs!
- Zeitpunkt: Die Kräutern sollten vormittags an trockenen und sonnigen Tagen gesammelt werden.
- Ort: Nicht am Wegrand und auf gedüngten Felder sammeln. Dort sind die Pflanzen durch die Umwelt bereits verunreinigt. Sammelt man saubere Pflanzen, müssen sie nachher auch nicht gewaschen werden.
- Man sollte immer nur die Menge an Planzen sammeln, die man auch verarbeiten will.
- Je nach Jahreszeit und Ortschaft gibt es geschützte Arten, welche man nicht pflücken darf. Diesbezüglich muss man sich vorab über kantonales Recht informieren.
- Die Pflanzen sollten mit der Schere geschnitten werden und somit die Wurzeln intakt gelassen werden. Denn es ist wichtig, dass die nicht kultivierten Pflanzen erhalten werden.
- Die Ernte nicht in Plastiktüten, sondern in einem Korb oder Stoffbeutel transportieren.

AUFBEWAHREN
- Kräuter trocknen: Die Pflanzen sollten direkt nach der Ernte an einem schattigen, gut gelüfteten Ort hängend oder auf einem Sieb getrocknet werden.
- Kräuter aufbewahren: Grundsätzlich wird geraten, die Kräuter schnell frisch zu verarbeiten. Damit die Kräuter aber auch länger gut bleiben, sollten sie nach dem Trocknen in gut verschliessbaren, sterilen Behältern aufbewahrt werden. Die Kräuter können so bis zu 12 Monaten gelagert werden.


VERARBEITUNG
Im Wildkräuterkurs der Kräuterschnecken (Kräuterkundigen) in Bergheim kam ich in den Genuss, diverse Gerichte mit Wildkräutern verzehren zu dürfen. Gerne möchte ich euch hier jetzt einige Rezepte für heilsame Gerichte und wohltuende Essenzen, sowie allgemeine Infos zu verschiedenen Wildkräutern weitergeben.

Spitzwegerich - Plantago lanceolata
Der Spitzwegerich blüht im Mai bis September und ist auf trockenen Wiesen zu finden. Er wirkt unter anderem antibiotisch, reizlindernd, kühlend und abschwellend. 
Die Pflanze ist eine der ältesten Heilpflanzen, welche durch das Auflegen Wunden heilt. Sie ist für Wanderer und Pilger besonders hilfreich, da die Blätter auf Insektenstiche, Wunden und Blasen gelegt werden können, um die Heilung voranzutreiben. Bei Insektenstiche einfach die Blätter in der Hand zerreiben und den Saft auf die betroffene Stelle geben. 
Das Kraut eignet sich zudem auch als Hustentee (kalt aufgesetzt, dann aufgewärmt) oder als Bestandteil einer Kräutersuppe. Da die Blätter recht herb schmecken, empfiehlt sich eine zurückhaltende Dosierung. Die Knospen des Spitzwegerich schmecken übrigens leicht nussig und eignen sich deshalb perfekt als Salatbeigabe. 

Rezept: Spitzwegerich-Thymian-Hustensirup
1/2l Wasser
250g Kandiszucker
1 Zitrone
3 handvoll Spitzwegerich Blätter
1 Stängel Thymian
Wasser und Zucker aufkochen, bis die Flüssigkeit klar ist, dann die Spitzwegerich Blätter, den Thymian und den Saft der Zitrone dazugeben und 10 Min. aufkochen lassen. Alles abseihen und in sterile, gut verschliessbare Flaschen abfüllen.

Brennessel - Urtica dioica (grosse Brennessel)  / Urtica Urens (kleine Brennessel)
Die Blätter der bekannten Brennessel können von März bis Oktober, die Wurzeln im Frühjahr und Herbst geerntet werden. Das Kraut wirkt entwässernd und blutreinigend und kann gut als Tee angesetzt werden. Zudem eignet sie sich auch für die Küche, da sie nicht bitter wird und als Spülung für glänzendes Haar. 
Tipp: Um die Brennhaare zu entfernen einfach mit der Hand von unten den Stiel entlangfahren, damit diese abbrechen oder die Blätter aufkochen.

Rezept: Haarspülung
1 Hand voll frische Brennesselblätter
1/2 Liter Wasser
1/4 Liter Obstessig
Das heisse Wasser über die Blätter schützen und mindestens drei Stunden zugedeckt ziehen lassen. Das Wasser abgiessen und den Brennesselsud mit Essig mischen. Die Haare nach dem Duschen mit der Spülung besprühen und nicht auswaschen.  

LöwenzahnTaraxacum sect. Ruderalia
Die Blüten des Löwenzahns, in der Schweiz Söiblueme genannt, eignet sich in Kombination mit Zitrusfrüchten zur Herstellung eines honigähnlichen Sirups (französisch Cramaillotte genannt) als Brotaufstrich.
Die jungen Blätter des Löwenzahns kann man roh als Salat verwenden oder gedünstet zubereiten. 
Die Bitterstoffe des Krauts sind leber- und nierenstärkend und wirken harntreibend. 

Rezept: Löwenzahn Marmelade
400 Stück Löwenzahn Blüten
2l Wasser
2 Zitronen
2kg Zucker
Die Löwenzahn Blüten pflücken und unter fliessend Wasser abspülen. Alles in einen grossen Topf geben (3-4 Liter) und das Wasser, sowie dünn geschnittene Zitronenscheiben dazugeben. Das Ganze 15 Min. aufkochen und dann 24 Stunden ruhen lassen. Die Masse am nächsten Tag durch ein Plastiksieb oder Leinentuch drücken. In den dadurch gewonnenen Saft den Zucker geben und sirupartig einkochen. Dieser Vorgang kann bi zu 5h dauern, deshalb immer wieder gut umrühren! Letztlich die Marmelade noch heiss in gut verschliessbare Gläser füllen.

Pfefferminze - Mentha x piperita
Die Verwendung von Pfefferminze ist äusserst vielseitig. Viele Rezepte, besonders Desserts, Fleischgerichte und Cocktails nutzen die aromatischen Pfefferminzblätter als Gewürzkraut. Doch die Pflanze ist natürlich auch als Getränk und Heilkraut sehr beliebt.
Das Kraut wird beispielsweise in England gerne zu Fleischgerichten wie Lamm oder Roastbeaf serviert. In der arabischen und indischen Küche verleiht es Reis- und Blugurgerichten eine interessante Note. Die Blätter sollten stets frisch verspiesen werden, da sich gerebelte Blätter nur schlecht zur Verarbeitung eigenen und geschmacklich weit hinter den Frischen zurück liegen.
Das Geheimnis der Pflanze liegt im wichtigsten Wirkstoff Menthol, welcher erfrischt und gleichzeitig auch betäubt.

Rezept: Pfefferminz Tee
*für 1 Tasse
2TL getrocknetes Pfefferminzkraut
250ml heisses Wasser
Die getrocknete Pfefferminze mit heissem Wasser übergiessen und abgedeckt 6-8 Minuten ziehen lassen, bis die ätherischen Öle auf der Oberfläche gut sichtbar sind.

Gänseblümchen - bellis perennis
Das Gänseblümchen blüht von Februar bis November. Es ist uns allbekannt als kleines Orakel des "Liebt mich, liebt mich nicht, liebt mich,..."- Spiels, jedoch kann das Kraut noch viel mehr! 
Das Gänseblümchen kann von Wurzel bis Blüte verzehrt werden. Die Köpfe schmecken leicht nussig-zitronig und können als Kapernersatz, sowie für Tees und Aufgüsse verwendet werden.

Rezept: Kapern aus Blütenknospen

*Dieses Rezept kann auch mit Löwenzahn Knospen gemacht werden
Marmeladenglas
Blütenknospen
Pfeffer
Wachholder
Essig
Für Kapern aus Blütenknospen sammelt man zuerst ein Marmeladenglas voll Blütenknospen. Diese werden anschliessend gewaschen und mit Essig einmal aufgekocht. Dann werden sie nach belieben gewürzt, empfehlen kann ich beispielsweise Pfeffer oder Wachholder. Zuletzt werden sie samt Essig zurück ins Glas gefüllt und man lässt sie für etwa 3 Wochen durchziehen. 

Giersch - Aegopodium podagra
Der Giersch, auch "Spargel der Armen" genannt, zählt neben der Brennessel als eines unserer ältesten Wildgemüse. Es ist eine der vitaminreichsten Nahrungsergänzungen (Vitamin C, Kalzium, Magnesium, Carotin) und kann als Suppenwürze, in Aufläufen, als Pesto oder wie Spinat verwendet werden. Auch die Wurzlen, sogenannte Rhizome, dürfen verspiesen werden.

Rezept: Giersch-Pesto
100g Giersch
6 Knoblauchzehen
100g Parmesan
250ml Olivenöl
75g Pinienkerne oder Sonnenblumenkerne
Den Giersch waschen, trocken schütteln und von dickeren Stängeln befreien. Anschliessend die Pinienkerne anrösten und mit dem Knoblauch und dem Giersch fein hacken. Alle Zutaten in einer Schüssel mit dem Parmesan mischen und nach und nach Olivenöl unterrühren, bis alles gut vermengt ist. Das Pesto dann in ein gut verschliessbares, nicht zu grosses Glas geben und zur längeren Haltbarkeit mit Öl bedecken.
(Bei der Ernte möglichst kleine, frische Blätter ernten, da die grösseren bitter schmecken. Wer möchte, kann natürlich auch noch weitere Wildkräuter darunter mischen. Das Pesto enthält deshalb so viel Knoblauch und Parmesan, da Giersch einen würzigeren Eigengeschmack hat als Basilikum.)


"Ich habe ein paar Blumen für dich nicht gepflückt, um dir ihr Leben mitzubringen."
- Christian Morgenstern

Abbildungsverzeichnis Illustrationen:
Spitzwegerich: Flora Batava of Afbeelding en Beschrijving van Nederlandsche Gevassen, XVI. Deel. (1881)
Brennessel: Flora von Deutschland in Abbildungen nach der Natur, zweite umgearbeitete Auflage. 4. Band (1905) 
Löwenzahn: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gera, Germany (1885)
Pfefferminze: Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen
Gänseblümchen: Johann Georg Sturm (Painter- Jacob Sturm) - Figure from Deutschlands Flora in Abbildungen
Giersch: Otto Wilhelm Thomé - Prof. Dr. Thomé’s Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz in Wort und Bild für Schule und Haus. Band III. Mit 155 Tafeln in Farbendruck nach Originalzeiehnnngen von Walter Müller in Gera. Gera-Untermhaus. Verlag von Fr. Eugen Köhler. (1888)


Wildkräuterführung in Bergheim
Liebe Pilgerfreunde
Liebe Beaus & Belles

Ich habe euch bereits durch meine Vorbereitungen und über den Schweizer Jakobsweg bis über die Grenze ins Tirol mitgenommen und möchte euch in diesem Beitrag noch die letzten 200km meiner Pilgerreise nach Salzburg zeigen.
Karte via jakobswege-a.eu/

INNSBRUCK
Nach etwa zwei Dritteln der Strecke traf ich in Innsbruck ein, wo ich die ersten Pausentage meiner Reise einlegte. Einerseits, um mich ein bisschen auszuruhen und andererseits, um die Landeshauptstadt des Tirols zu besichtigen und um noch mehr Käsespätzle zu essen. Zudem wartete ich hier auf Marina, welche mich noch zwei Tage auf dem Weg begleitete.

Die erste Nacht verbrachte ich in der Pilgerherberge (Sillstrasse 2, 4 Plätze) und durfte dann einen Tag später ins zentral gelegene Hotel Weisses Kreuz, direkt beim Goldenen Dacherl, einziehen. Über den Wechsel in ein grösseres und vor allem helleres Zimmer war ich sehr froh, da ich grundsätzlich schon kein Fan von kleinen, dunklen Räumen bin. Und so fällt es mir auf Pilgerreisen immer besonders schwer, mich nach einem ganzen Tag unter freiem Himmel physisch und psychisch wieder einzuschränken.

Auch wenn ich an meinem freien Tag in Innsbruck ausnahmsweise hätte ausschlafen können, trieb mich die Gewohnheit früh morgens aus dem Haus. Die erste Station meiner City Tour führte mich zum schönen Dom zu St. Jakob mit seinen hochbarocken Deckenfresken und dem bekannten Gnadenbild "Maria Hilf" von Lucas Cranach. Neben der Kathedrale befindet sich übrigens die St. Jakob Dompfarre und Propstei (Domplatz Nr. 6), bei welcher man sich den Pilgerpass und anderen Pilgerkrimskrams wie Muscheln und Anstecker besorgen kann.

Danach führte mich mein Weg mit den Nordkettenbahnen direkt aus der Stadt heraus auf 2000 M.ü.M. Ein wahnsinns Gefühl, nach zwei Wochen Zu-Fuss-unterwegs-sein, innerhalb von nur 20 Minuten auf dem Gipfelkreuz Hafelekar zu stehen! Der Ausblick auf das Bergpanorama rund um Innsbruck war einer der eindrücklichsten Momente auf der ganzen Reise. Runter kommt man übrigens gemütlich zu Fuss, mit dem Mountain Bike oder man wählt wie ich wieder die bequemste Variante mit den Bergbahnen.
"Das Tal der Sorgen ist umgeben von Bergen des Glücks." - Erhard H. Bellermann

Innerhalb von nur zwei Tagen bin ich in Innsbruck von Pilgerin zur Touristin mutiert. Ich tanzte am New Orleans Festival, schlemmte Eis bei Tomaselli und genoss Käsespätzle im Stiftskeller. Ich kaufte Auf-dem-Weg-Verlorenes wieder und war sogar im Kino! Doch nach dem zweiten Tag in der Stadt merkte ich, wie sehr ich mich nach dem ganzen Grossstadttrubel auf das Weiterwandern in der ruhigen Natur freute.


ETAPPENPLANUNG
Tag 14. Innsbruck - Terfens: 24km
Tag 15. Terfens - Strass im Zillertal: 19km
Tag 16. Strass im Zillertal - Bruckhäusl: 30km
Tag 17. Bruckhäusl - St. Johann in Tirol: 31km
Tag 18. St. Johann in Tirol: Waidring (via Pillersee): 25km
Tag 19. Waidring - Lofer - Unken: 28km
Tag 20. Unken - Hinterreit: 22km
Tag 21. Hinterreit - Bergheim (Salzburg): 15km
Pilgerherberge Salzburg / Hotel Weisses Kreuz Innsbruck* / Plattnerhof Terfens
Hotel Post / Privatzimmerin Bruckhäusl / Cooee alpin Hotel 
Private Unterkunft Waidring / Landhotel Kirchenwirt Unken / Pension Lex Bad Reichenhall
Gasthof Fischachstub'n Bergheim*


*Folgende Unterkünfte wurden mir freundlicher Weise zur Verfügung gestellt

Eierautomaten & interessanter Türschmuck
Rattenberg - die kleinste Gemeinde Österreichs
Schlosspark Matzen

REGEN MACHT SCHÖN
Was man bei den bisherigen Fotografien und Erzählungen nicht wirklich mitgekriegt: nur insgesamt 3 von 20 Wandertagen waren regenfrei! Es regnete immer: meistens Nachmittags, oft morgens, aber ganz bestimmt immer dann, wenn ich mich an einem eigentlich aussichtsreichen Ort befand.
Dies hatte zur Folge, dass ich im Gegensatz zu meinen sonstigen Pilgerreisen kaum Wanderer kennenlernte. Zudem blieb ich dann an regnerischen Nachmittagen einfach gerne im Bett liegen, anstatt wie auf den bisherigen camini die Ortschaften auszukundschaften. "Gar nichts erlebt - auch schön", höre ich jetzt Goethe sagen. Denn so viel Schlaf und Ruhe gönne ich mir sonst selten.

"Nichts kann einem die Tür zu sich selber besser öffnen, als ein Spaziergang durch schlechtes Wetter." - Mark Twain

Die Kombination von Allein-Sein und Regen machte mir jedoch im Verlauf der Pilgerreise immer öfters zu schaffen und ich merkte, wie sehr ich den sozialen Austausch (und Sonnenschein) schätze.
So versuchte ich alle und jeden auf dem Weg anzusprechen und hoffte, dass sich jemand meiner erbarmt und ein paar Wörter mit mir wechselt. So war ich froh, als ich dann endlich nach zwei Wochen auf Daniel, den pilgernden Radiomoderator aus Wien, traf. Ich bin ihm heute noch dankbar, dass er mir auch noch nach seiner Rückkehr nach Wien mit Songs und Grüssen per Radio durch die Nässe half!



DER 25. JULI: JAKOBSTAG
Am 25. Juli wird der Jakobstag, der Gedenktag des Schutzpatrons Spaniens, gefeiert. Der Tag geht auf Jakobus den Älteren (span. Santiago) zurück, welcher mit seinem Bruder Johannes zu den erstberufenen Jüngern Jesu gehört. Er nimmt im Neuen Testament eine besondere Stellung ein, da Jesus ihn an besonderen Ereignissen, wie beispielsweise am Berg der Verklärung, teilhaben lässt. Eins der beliebtesten Pilgerziele ist Santiago de Compostela, wo die Gebeine von Jakobus liegen sollen. Ich feierte den diesjährigen Jakobstag auf meine ganz eigene Weise...

Die Strecke von St. Johann nach Waidring am 25. Juli war die reinste Genugtuung für Körper und Geist. Besonders, da der vorhergehende Tag einem kleinen Weltuntergang glich, als ich nach einem Sturz durchnässt, mit blutenden Knien und geschwollenem Knöchel in den Bus stieg.
Alles was ich am Tag zuvor vermisst hatte, holte ich an jenem Tag nach. Ich wanderte, als wäre der Teufel hinter mir her und die Kitzbüheler Alpen flitzen nur so an mir vorbei.
Das hohe Tempo von 6km/h hatte aber auch noch einen anderen Grund, denn an diesem Tag hatte ich einiges vor: ein begehbares Jakobskreuz besuchen, Stand Up Paddling auf dem Pillersee und eine Mountain Cart Bahn Abfahrt!

JAKOBSKEUREZ BUCHENSTEINWAND
Das moderne, monumentale Jakobskreuz, welches auf dem Gipfel der Buchensteinwand über das Pillerseetal wacht, ist mit seinen 29.6 Metern Höhe das grösste, begehbare Gipfelkreuz der Welt. Die Aussichts- und Ausstellungsräume in den vier Armen und die Panoramaplattform auf dem Dach bieten einen wunderschönen Ausblick über die bereits zurückgelegte und die noch vor einem liegende Strecke. Wer gerne noch etwas länger an diesem schönen Ort verweilen möchte, dem kann ich das Mittagessen im daneben gelegenen Alpgasthof Buchensteinwand empfehlen!



STAND UP PADDLING - PILLERSEE
Nach knapp einer Stunde Fussmarsch trudelte ich am Nachmittag des 25. Julis am Pillersee ein, um bei 14° Celsius und Regen das erste Mal Stand Up Paddling auszuprobieren. Mit Neoprenanzug ausgestattet stieg ich aufs Board und steuerte auf die Mitte des Sees zu. Der Eigentümer Danny Bulthé von Sup'n'Fun hatte mir nicht zuviel versprochen: das Gefühl, ganz alleine auf dem Board im See zu stehen, begleitet vom Rauschen des Regens, war in der Tat ein magischer Moment. Sich aus eigener Kraft langsam und gleichmässig durch die Landschaft bewegen und die Welt aus einem neuen Blickwinkel erkunden, da hat das Paddeln vieles mit dem Pilgern gemein! Es verbindet Mensch und Natur.


MOUNTAIN CART ABFAHRT OBERWEISSBACH
Als ganz anders, aber auch extremst gut erwies sich die Mountain Cart Abfahrt von Oberweissbach nach Waidring. Nach einer kurzen Käsespätzle-Stärkung im Gasthof Oberweissbach, wählte ich diese verlockende Art der Fortbewegung und sauste mit dem Cart in Höchstgeschwindigkeit Richtung Tagesziel Waidring.

Wenn dieser verrückte Tag mal nicht das moderne Pilgern im Jahre 2017 abbildet!
Beschränken sich die traditionellen Fortbewegungsmittel des Pilgerns auf Füsse, Pferde, Esel und seit längerem auch Velos, so plädiere ich nach diesem Tag dafür, diese Liste mit allen möglichen anderen Fortbewegungsmitteln zu erweitern!
Denn für mich gibt es genau eine richtige Art, wie man pilgern sollte: die eigene! Zu oft habe ich schon mitangesehen, wie Leute belächelt wurden, weil sie den Bus nahmen. Oder weil sie mit dem Schiff einen Abschnitt übersprungen haben. Oder den Rucksack vor, ans Tagesziel geschickt haben. Doch ist es nicht die eigene Freizeit, die man verbringen kann wie man es selber für richtig hält? Es gibt nicht den einen Pilgerweg. Jede_r macht den Weg in eigenem Tempo und auf die eigene Weise! Meine Devise lautet: Mach' das, was dir gut tut!


Kurz vor Salzburg überquerte ich noch kurz mit meinem Freund Felix noch fix die Grenze zu Deutschland um dann nach 21 regenreichen Tagen des Gehens mein Pilgerziel, den Dom zu Salzburg, zu erreichen! Dieser frühbarocke Monumentalbau ist wohl das bedeutendste sakrale Bauwerk der Stadt und auch für Nicht-Pilgernde einen Besuch wert.


Übernachten durfte ich an meinem letzten Pilgertag bei der Familie Barthel im Gasthof Fischachstub'n in Bergheim bei Salzburg. Ein hübscher kleiner Gasthof mit viel Liebe gestaltet und samt sehr nettem Gastgeber. Vielen lieben Dank für die Einladung!

BERGHEIM
Der 5'100 Seelen-Ort Bergheim liegt nur knapp 5km von Salzburg entfernt, am grünen Stadtrand und ist bequem per Lokalbahn oder Bus von Salzburg aus erreichbar. Eine gute Abwechslung für all jene, welche zwar den Trubel der Festspielstadt erleben wollen, jedoch das Übernachten an einem "Ruheplatzerl" zu schätzen wissen. Bergheim ist der ideale Ausgangspunkt für Spaziergänge, zum Mountain Biking, Schwimmen, etc. vor allem aber auch, um die Pilgerstätte Maria Plain zu besichtigen.

MARIA PLAIN
Maria Plain ist mit seiner Wallfahrtskirche, dem Kalvarienberg und den 15 Geheimnissäulen eine der beliebtesten Marien-Wallfahrtsstätten Österreichs und das Wahrzeichen Bergheims. Es ist nicht nur ein beliebter Ausflugsort für Einheimische und Touristen, sondern auch ein bedeutender Ort auf dem Österreichischen Jakobsweg.
Die 1674 gebaute Wallfahrtsbasilika wurde in den Jahren 2013/14 ausführlich restauriert und ist jetzt einmal mehr einen Besuch wert. Die Kirche gehört samt Kloster zur Erzabtei St. Peter in Salzburg und sie beherbergt viele Kunstarbeiten von bekannten Malern und Bildhauern.
Im daneben gelegenen Gasthof Maria Plain kann man zudem regionale Spezialitäten auf der Sonnenterasse mit Blick auf Salzburg geniessen. Dank der netten Führung von Bergheim Tourismus durfte ich hier die Original Mosshammer's Plainer Bratwurst nach altem Familienrezept essen und kann sie nur empfehlen! (Natürlich kann aber auch vegetarisch und vegan gespiesen werden.)

"Am Sonntagvormittag nach Maria Plain, nicht aus Andacht, sondern wegen der schönen Aussicht" - Mozart



GMACHL
Ein weiterer Tipp in Bergheim ist das Wellness Hotel Gmachl, welches zu Recht "Genussdorf" genannt wird. Hier durfte ich nach der Pilgerreise entspannen, damit der Körper genauso erholt ist, wie der Geist. Vielen Dank! Denn das Gmachl besteht aus mehreren Gebäuden mit Hotel, Wellness und Restaurant. Mit diversen Spas, Grotten, Hallenbädern, Outdoor Infinity Pool, uvw. ist das Gmachl der perfekte Ort, um sich auszuruhen.

SALZBURG
Übernachten kann in Salzburg insbesondere in der Festspielzeit etwas schwierig werden. Zwecks Unterkunft kann man sich bei der Jakobusgemeinschaft Salzburg (Tegetthoffstr. 11, 5071 Wals) Hilfe holen oder man wendet sich direkt an Salzburg Info. (Oder man macht es wie ich und sucht Unterschlupf in Bergheim.)
Mehr Infos über Salzburg und wieso die Altstadt zu Recht UNESCO Weltkulturerbe ist, findet ihr hier in einem separaten Beitrag zusammen gefasst: 48h in Salzburg!

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Nun ist die Zeit des Pilgerns, meine fünfte Jahreszeit, wieder vorbei. Der Weg hat mich viel gelehrt. Er hat mir gezeigt, wie klein ich und meine alltäglichen Sorgen sind.  Dass das Wesentliche in meinem Alltag in Zürich zu oft in den Hintergrund rückt. Er zeigt, dass die Natur mächtiger ist als der Mensch und dass wir nicht alles kontrollieren können. Er zeigt mir, dass wir die Erde zwar bewohnen, sie aber weder besitzen, beherrschen. Das Wandern lehrt mich nachhaltigeres Denken und verantwortungsvoller mit meiner Umgebung umzugehen.
Auf meinem Weg ist mir vieles bewusst geworden, was mir in meinem Alltag fehlt und worauf ich in Zukunft gerne mehr Acht geben bzw. verzichten möchte.
Aufgrund der Pilgerreise habe ich mich dazu entschieden, auf meinem Blog keine Fast Fashion mehr zu unterstützen, sondern den Fokus auf Fair Fashion, Nachhaltigkeit, Naturnähe und Minimalismus zu legen.


Danke! Danke liebe Beine und Füsse, dass ihr mich auf diesem Weg getragen habt! Ich habe zwar das Gefühl, dass ihr mich nun ein bisschen weniger mögt, dank Schrammen am Schienbein (Bürgersteig), Blutergüssen an den Knien (nasses, rutschiges Holz) und Blasen an den Füssen (fast 600km). Aber ich bin unfassbar froh, dass ich gesund bin und solch kleine Abenteuer erleben darf!

Danke! Danke an euch, welche ihr meine Reise psychisch und physisch begleitet habt! Ich teile meine Eindrücke immer gerne mit euch und freue mich über jede Reaktion. Besonders, dass sich auch dieses Jahr wieder einige entschlossen haben, es mir gleich zu tun, freut mich natürlich besonders! Ultreia!

Danke! Danke an die liebe Unterstützung von Österreich Tourismus, Tirol Tourismus und dem Tourismusverband Bergheim! Ich habe mich in Österreich rundherum wohlgefühlt!

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Du hast eine Frage zu meinen Pilgerreisen? Dann kommentiere unter diesem Beitrag oder schreibe mir eine Mail!

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Bis bald und buen camino an alle Pilgernden!
Steffi




PS: Es haben mich auch nach dieser Pilgerschaft wieder einige darauf angesprochen, welchen Camino ich denn empfehlen würde. Kurz: alle! Jeder hat seine eigenen Vorzüge und je nach Jahreszeit, Wetter, Mitpilgernden, etc. werdet ihr natürlich andere Erfahrungen machen als ich.
Gerne hinterlasse ich euch jedoch hier eine grob skizzenhafte Übersicht zu meinen bisherigen Reisen:

Camino Francés: sehr viele Pilger, Geselligkeit wird gross geschrieben, viele Restaurants, Bars und Übernachtungsmöglichkeiten, Planen ist nicht nötig, man findet immer was
Via Francigena: das beste Essen und die schönsten Städtchen, abwechslungsreiche Landschaft, die mückenreiche, langweilige Poebene könnte man sich sparen, sehr herzliche und offene Italiener_innen getroffen, guter Kaffee!
Caminho Portugues: die Meeresbriese und die Holzstege am Atlantik entlang sind unglaublich schön, ebenso, wie über die Grenze nach Spanien einzulaufen. Unterkünfte waren eher schwierig
Österreichischer Jakobsweg: Käsespätzle!, wunderschöne Landschaft (besonders um den Arlbergpass), Achtung: hier kann es oft regnen!, eher teurer im vergleich zu Spanien, Italien und Portugal, sehr offene und freundliche Menschen getroffen

PSPS: Lasst euch nicht von Zeitnot und Überorganisation leiten! Geht los und geniesst es!
Liebe Belles und Beaus, liebe Freunde des Pilgerns

Nach dem ersten Beitrag über den Schweizer Pilgerweg Richtung Salzburg habe ich nun weitere 330 Bilder und Videos bearbeitet, Gedanken sortiert und Geschichten gebündelt. In diesem Beitrag zeige ich euch jetzt die besten Momente und interessantesten Geschichten aus dem Vorarlberg und dem Tirol bis hin nach Innsbruck.


Nachdem mich auf den ersten drei Tagen zwei Freunde begleitet haben, wanderte ich ab Wattwil alleine Salzburg entgegen. Das Alleinsein und besonders das Alleine-Unterwegs-Sein ist eine Situation, welche bei den meisten Verwunderung, bei manchen Bewunderung, bei wenigen Verständnis und bei vereinzelten auch Unbehagen auszulösen scheint. "Du machst den ganzen Weg alleine? Ist das nicht langweilig und ziemlich einsam?" Nein, nicht für mich. Denn wer allein ist, muss nicht einsam ein.
Alleine zu wandern gibt mir die Möglichkeit, mich völlig auf mich und meine Umgebung zu fokussieren. Ich geniesse die Ruhe der Natur, den Fluss meiner Gedanken und Bewegungen; die Regelmässigkeit der Schritte und das rhythmische Klicken der Stöcke. Pilgern ist mein Meditieren. Ich habe Zeit, mich schrittweise frei zu machen, Unwichtiges loszulassen. Diese Zeit gibt mir die Ruhe und Kraft, mich so auch wieder gegen aussen zu öffnen.


Jeder sollte… 
mit den Sinnen nicht nur denken, sondern sie zu Taten lenken, 
überall im ganzen Leben, das Erlernte weiter geben, 
Stress und Hektik überwinden, täglich auch zur Ruhe finden, 
nicht nur an sich selber denken, Andern auch viel Freude schenken, 
Verrücktes tun und nicht bereu'n, an kleinen Dingen sich erfreu'n, 
nicht nach hohen Zielen streben, ruhig und genügsam leben, 
sich von Habsucht distanzieren, nicht den Überblick verlieren, 
stets spüren, was in Wahrheit zählt, vergessen das, was ständig quält, 
erleben, was das Herz gern mag, die Liebe pflegen – jeden Tag. 
 - Horst Rehmann 


Wer in seiner freien Zeit nichts als Zerstreuung sucht, 
hat so gut wie keine Chance, zu sich selbst zu finden. 
- Ernst Ferstl



ETAPPEN
6. Feldkirch - Bludenz: 27km
7. Bludenz - St. Christoph (Übernachtung in St. Anton): 35km
8. (Rücktransfer nach) St. Christoph - St. Anton - Flirsch: 15km
9. Flirsch - Landeck/Zams: 18km
10. Landeck/Zams - Roppen: 29km
11. Roppen - Flaurling: 28km
12. Flaurling - Innsbruck: 30km


Landeck - Zams

ÜBERNACHTUNG IN VORARLBERG UND TIROL
Die Übernachtungsmöglichkeiten im Vorarlberg und Tirol lassen sich gut mit jenen in der Schweiz vergleichen. Es gibt ab und an Pilgerherbergen, jedoch muss man oft auf Pensionen oder Hotels ausweichen. Zudem sollte man sich mindestens einen Tag zuvor um die Unterkunft kümmern, wenn man das Pilgerbudget nicht sprengen möchte. Denn oft findet man sich am Ende des Tages in einem kleinen Dorf wieder, in welchem die Unterkunftsmöglichkeiten sehr limitiert sind.
Ein kleiner Tipp: immer nach Pilgerrabatten fragen! Oft gibt es in Hotels kleinere und dadurch günstigere Zimmer oder einfach nette Gastgeber, welche ein Herz für Pilger haben. (In Italien habe ich mir übrigens Mal mit Pilgerrabatt die Haare schneiden lassen! Es funktioniert also nicht nur beim Übernachten!)
Für eine übersichtliche, österreichische Unterkunftsliste kann ich euch auch hier wieder den OUTDOOR Pilgerführer "Jakobsweg: Österreich" oder den Rothen Wanderführer "Jakobswege Österreich" empfehlen.


Kloster Sankt Peter in Bludenz / Hotel Schwarzer Adler in St. Anton a.A.
Hotel Troschana in Flirsch / Hotel Mozart in Landeck-Zams
Gasthof Goldener Adler in Flaurling


NAVIGATION UND WEGWEISER
Gleich nach meiner Ankunft in Österreich besorgte ich mir beim Anbieter A3 für 20 Euro eine Wertkarte samt österreichischer Nummer. Da wir in der Schweiz immer noch Roaming Gebühren zahlen, lohnt sich diese Investition schnell. Ich habe mich bewusst für die Erreichbarkeit und den Internetzugang entschieden, da mir mein Handy in Sachen Navigation, Unterkunftsbeschaffung und natürlich auch in allfälligen Notsituationen schnell und einfach Hilfe bietet.
Grundsätzlich ist der Weg in Österreich gut ausgeschildert, wenn man von der richtigen Seite her kommt. Wenn man wie ich in die entgegengesetzte Richtung geht, übersieht man die Schilder jedoch oft. So sollte man sich an die Wegbeschreibung von mitgeführten digitalen oder analogen Karten halten. Andernfalls kommt man wie ich nach einer Stunde gehen wieder am Startpunkt der Tagesetappe zurück...

Den Gasthof Goldener Adler in Flaurling habe ich nach 
einer Stunde des Herumirrens im Wald nochmals passiert...


PILGERIN ODER DOCH WANDERIN?
An meinem zweiten Tag in Österreich führte ich eine Unterhaltung mit einer Nonne, welche mich bis heute noch nachdenklich stimmt. Sie hat mich mit folgender Aussage konfrontiert:
"Du bist ja gar keine Pilgerin, wenn du nicht nach Santiago gehst, sondern nach Salzburg."
Sofort hatte ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Ich sei ja auf dem Jakobsweg. Und nach Santiago de Compostela sei ich 2013 und 2015 gegangen, nach Rom 2014.
Doch was ist ein Pilger heutzutage überhaupt noch? Was macht das Pilgern aus? Ab wann darf man den Pilgerpass beantragen, Pilgerherbergen in Anspruch nehmen und sich das Pilgermenü bestellen? Was unterscheidet das Pilgern vom Wandern?
Pilgern heisst für mich, auf dem Weg zu sein - physisch und psychisch. Pilgern ist eine innere Sehnsucht, ein Besinnen und Öffnen, ein Festigen und Neu-Erfahren, alleine und zusammen mit anderen. Es ist ein stetiges Zusammenspiel von Innen und Aussen, von Vergangenem und Gegenwärtigem. Es ist das Selbst-Bewusstsein, sich in der Welt zu positionieren und zu bewegen.
Doch inwiefern spielt da das Pilgerziel Santiago de Compostela und der religiöse Hintergrund des Pilgerns im Jahre 2017 noch eine Rolle? Ist es überhaupt notwendig, die Grenzen zwischen Wanderin, Pilgerin oder Geherin zu ziehen? Muss ich mich als das eine oder das andere definieren?


ARLBERG
An meinem dritten Tag in Österreich erreichte ich eines meiner Highlights auf dem Weg: den Arlbergpass! Dieser befindet sich auf der Höhe von 1780 M.ü.M. und der gleich darauf folgende Maiensee ist mit seinen 1865 M.ü.M. -  sogar noch vor den Pyrenäen - der höchste Punkt auf dem ganzen Jakobsweg.
Leider spielte das Wetter wieder einmal nicht so ganz mit, so dass ich den Pass leider nur im Nebel, bei 8 Grad und Regen passieren konnte. Mit dem Pass überquerte ich dann auch die Grenze vom Vorarlberg zum wunderschönen Tirol.

ST. ANTON
Der Arlberg, welcher seinen Namen durch seine unzähligen Arlenbüsche bekam, ist besonders durch den Wintersport bekannt, da hier bereits 1901 der erste Skiclub Arlberg gegründet wurde. Aber auch im Sommer hat die Umgebung des Stanzertals zwischen den Lechtaler Alpen und der Verwallgruppe über 300km markierte Wanderwege und hübsche Bergdörfer zu bieten. Allen voran sind mir besonders St. Christoph, St. Anton und die Ortschaft Schnann mit dem Naturdenkmal Schnanner Klamm im Gedächtnis geblieben.



Wer nicht zum kleinen Pilgerpreis im Alberg Hospiz Hotel in St. Christoph übernachten möchte, dem kann ich wärmstens eine Übernachtung im 2'400 Seelen-Dorf St. Anton am Fusse des Arlberg-Passes empfehlen. Hatte ich bis dahin "nur" in Pilgerherbergen, Jugendherbergen und Privatunterkünften Unterschlupf gefunden, wurde ich im Bergdorf St. Anton eingeladen, im Hotel Schwarzer Adler zu nächtigen. Ich durfte in einem Doppelbett schlafen, Fernseh schauen, meine Kleidung waschen und ein wahnsinns 7-Gang Menü verspeisen. Privilegien, welche ich besonders beim Wandern wieder sehr zu schätzen weiss.
Das Gala Dinner war eine der Situationen, an welche ich mich bestimmt noch Jahrzehnte zurückerinnern werde. Nicht nur, weil ich mit abgeklebten Zehen und Flip Flops in einem Saal voller Paare und Familien alleine solch ein Essen genoss, sondern vor allem, weil ich mit dem Besteck ein bisschen überfordert war. Wer hätte gedacht, dass nicht die Pilgerstrecke oder meine körperliche Verfassung mir Kopfzerbrechen bereiten würden, sondern das Essen in einem 4* Hotel? Ach, die Sorgen einer Luxuspilgerin!


Im Alltag erlegen wir uns täglich tausend kleine Dinge auf, welche wir unbedingt erledigen müssen. Kleine, unwichtige Dinge, die unseren ganzen Alltag strukturieren, unser Leben füllen. Beim Pilgern sind jedoch nur etwas zu essen und zu trinken, sowie ein Ort zum Schlafen von Belangen. Dinge wie duschen, saubere Kleidung, gutes Wetter usw. machen den Pilgeralltag zwar definitiv leichter und angenehmer, sind im Grunde aber nicht wichtig. Durch das reduzierte Leben mit dem Rucksack als zuhause wird einem erst wieder bewusst, wie bequem wir unser Leben zuhause gestalten, wie viele Dinge wir um uns scharren, wie verwöhnt wir sind. Dabei sind die wichtigsten Dinge in unserem Leben gar keine "Dinge".
Dieses Bewusstwerden und das kontinuierliche Hinterfragen des eigenen Lebensstils ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Ziele, welches man sich als Pilger_in setzen sollte.


Ein weiteres Highlight dieses Abschnitts war das Stift Stams, bei welchem ich mir eine kleine Führung durch die Räume der klösterlichen Gemeinschaft der Zisterzienser gönnte. Besonders hatte es mir die barockisierte Basilika mit dem 19 Meter hohen, vergoldeten Lebensbaum-Altar mit seinen 84 holzgeschnitzten Figuren, sowie der reich geschmückte Bernardisaal angetan. (Und der Backhendlsalat in der dazugehörigen Orangerie! Mmmmhhh...)
Zudem gelangt man über eine kleine Hängebrücke zur neugotischen, im Jahr 1901 errichtete Wallfahrtskirche Maria Lochergut samt Gnadenkapelle, welche 1871 nach der wundersamen Heilung der todkranken Maria Kalb aus Rum bei Innsbruck ihre Bedeutung bekam.

Maria Lochergut vor der Mieminger Kette

"Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiss, 
der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen,
 um das einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens." 
- Hermann Hesse


Arzler Wald


Da ich bei meiner vorgängigen Planung den 17.07. völlig aussen vor gelassen habe, trudelte ich bereits einen Tag früher in Innsbruck ein, als geplant. Da mich die liebe Marina von bonsoir-cherie.ch ab Innsbruck wieder ein paar Tage begleiten wollte, legte ich noch einen zweiten Pausentag in der Tiroler Hauptstadt ein.

Was ich in Innsbruck so getrieben habe, wie die letzte Woche meiner Pilgerreise verlief und wieso ich einige Abschnitte plötzlich nicht mehr zu Fuss gegangen bin, findet ihr nächste Woche auf BELLEMELLE heraus!